HITZE UND SPORT
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Temperaturregulation bei körperlicher Arbeit
Ruhe-Wärmeleistung von 70 bis 100 W kann bei Arbeit auf das 10 bis 20fache steigen
die zusätzliche Wärmeabgabe erfolgt hauptsächlich durch Evaporation
die Muskeltemperatur steigt je nach Belastung auf 34 bis 41°C,
Leistungsfähigkeit nimmt zu
die Hauttemperatur nimmt durch Schwitzen ab
die Köperkerntemperatur steigt etwa linear mit dem Energieumsatz (Sauerstoffverbrauch) an:
bei 25% des max. O2-Verbrauchs T kern = 37,3°C
bei 50% T Kern = 38,0°C
bei 70% T kern = 38,5°C
die zu Beginn der Arbeit zusätzlich anfallende Wärme wird nicht abgegeben sondern gespeichert,
danach Regelung auf höherem Niveau (Arbeitshyperthermie)
die Höhe von T kern ist unabhängig von T Umg. im Bereich
5°C<T Umg <25°C,
bei T Umg >28°C stellt sich kein Gleichgewichtszustand mehr ein
Bei Dehydratation weiterer Anstieg der Kerntemperatur um 0,5°C pro Liter Wasserverlust,
da Blutvolumen abnimmt und innerer Wärmetransport geringer wird
Begrenzung der Leistungsfähigkeit bei thermischer Belastung
a) durch Kreislaufeigenschaften (bei submaximaler Arbeit in heißer Umgebung)
Zunahme von Haut- und Muskeldurchblutung
Verschiebung des Blutvolumens nach peripher
Schlagvolumen sinkt, Herzfrequenz steigt,
Herzzeitvolumen nicht mehr steigerbar
b) durch hitzebedingten Wasser- und Elektrolytverlust
> 1,5 Liter Durst
> 4 Liter Durst, Schwäche, Reizbarkeit, Aggression
> 5 Liter stark abnehmende körperliche und geistige Leistung
bei Elektrolytverlust
> 35 g NaCl Schwäche, Muskelkrämpfe
> 50 g NaCl Erbrechen, Schwindel, Kollaps,schwere Muskelkrämpfe
In Guytons "Textbook of Medical Physiology" findet man, dass die Bildung von einem Gramm Schweiß 0,586 kcal. verbraucht
Muskelkrämpfe: Natriumhaltiges
Mineralwasser beugt vor
Bonn (dpa) - Wer viel Sport treibt, sollte
natriumhaltiges Mineralwasser trinken. Je mehr der Körper schwitze, desto höher
sei sein Bedarf an dem Mineralstoff, teilt die Organisation Deutsche Heilbrunnen
in Bonn mit. Natrium lotse Kohlenhydrate durch den Körper und sorge so für die
nötige Energie beim Sport. Natriummangel könne dagegen zu Muskelkrämpfen,
Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und niedrigem Blutdruck führen. Sportler
sollten zudem auf eine ausreichende
Magnesiumzufuhr achten. Geeignet seien
Heilwässer mit mehr als 100 Milligramm Magnesium pro Liter. Der Mineralstoff sei
an der Aktivität der Muskeln und am Energiestoffwechsel beteiligt, heißt es
weiter. Muskelkater mildern könne Hydrogencarbonat, das in einer Konzentration
von mehr als 1300 Milligramm pro Liter in dem Wasser enthalten sein sollte.
6. April 2002
Todesfall eines 23- jährigen der schnell Gewicht verlieren
wollte
Gefahr durch „Abkochen“ vor dem Wettkampf
Berichtet wird über einen 23jährigen Leichtgewichtsruderer, der sich vor dem
Wettkampf einem anstrengenden Lauftraining unterzog, um die notwendigen 2 kg
Gewicht zu verlieren. Um den Effekt zu erhöhen, trug er bei 23,8°C
Lufttemperatur mehrere Wollpullover, Wollmütze, Handschuhe und einen
Neoprenanzug. Zusätzlich konnte anamnestisch der Gebrauch von Lasix und
Diuretika nachgewiesen werden. Der Sportler kollabierte während der sportlichen
Leistung und war bei Eintreffen des Notarztes komatös, tachykard und hypoton.
Die Körpertemperatur lag zu diesem Zeitpunkt über 43°C. Ein CT des Gehirns
zeigte verstrichene Gyri als Zeichen eines erhöhten Hirndrucks. Mit externer
Kühlung und Spülung der Blase mit Eiswasser konnte die Körpertemperatur langsam
gesenkt werden, der Kreislauf wurde aber zunehmend instabil. Laborchemisch
bestanden Zeichen eines ausgeprägten myokardialen Schadens sowie einer
hochgradigen Rhabdomyolyse. Infolge eines akuten Nierenversagens blieb der
Sportler anurisch. Im Rahmen eines beginnenden Leberversagens und einer
disseminierten intravasalen Gerinnung mit Verbrauchskoagulopathie war die
plasmatische Gerinnung beträchtlich eingeschränkt (Quick 10%, PTT>180s). In der
Folge kam es zu einem fulminanten Multiorganversagen. Trotz maximaler
intensivmedizinischer Therapie mit massiver Substitution von Blutprodukten,
kontinuierlicher Hämodiafiltration und inhalativer Stickstoffmonoxidapplikation
verstarb der junge Sportler 48 h nach Aufnahme auf der Intensivstation.
Der anstrengungsinduzierte Hitzschlag ist eine seltene aber potentiell
lebensbedrohliche Erkrankung. Eine Vermeidung ist bei Beachtung der
Risikofaktoren problemlos möglich. Bei bewusster Missachtung der Risikofaktoren
im Falle eines „Abkochens“ wie im vorliegenden Fall müssen die Sportler auf das
Gefahrenpotential dieser Praktik aufmerksam gemacht werden. Sicherste und erste
Therapiemaßnahme stellt die sofortige Senkung der Körpertemperatur unter 39°C
dar.
U.K. (Dunker M et al.: Anstregungsinduzierter Hitzschlag. Der Anästhesist 7
(2001) 500-505)
DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN Jahrgang 53, Nr. 2 (2002)
Todesfälle im Sport
Asthma+Sport
Mineralien
Vitamine
Doping
Auf den Ziellinien von City-Marathons behandeln Rennärzte
immer mehr Sportler, die durch fleißiges Wassertrinken die ausgeklügelte
Salzbalance im Körper lebensgefährlich durcheinander gebracht haben
Tod im Ziel: Lebensgefährliche Wasserüberschwemmung im Körper
Marathonläufer, die auf der Rennstrecke viel Wasser in sich hineinschütten,
können ihr Leben gefährden. Das fanden Ärzte der University of California in
San Francisco heraus, als sie schwer erklärbare Todesfälle bei Läufern
untersuchten. Die Sportler hatten Wasser und Salze ausgeschwitzt, den
Flüssigkeitsmangel aber offenbar nur mit Wasser ausgeglichen. Durch den
Salzmangel trat Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in das Gewebe von Lunge und
Hirn über, Wassereinlagerungen (Ödeme) führten schließlich zum Tod. Früher
sei die Mehrheit der Marathon-Läufer erfahren gewesen, berichtet Dr. Lewis
Maharam, medizinischer Leiter beim New York City Marathon. Heute hätten die
Laufneulinge viel zu wenig Praxis, kritisiert er.
Gefährliche Netz-Parolen
Auch in Deutschland erlebt die Marathonbewegung einen Boom: 81499 Teilnehmer
verzeichneten die zehn größten Marathons im vergangenen Jahr - von Berlin
über den Rennsteig bis nach Duisburg. Der Veranstaltungskalender von Mai bis
Ende Juni listet rund dreißig solcher Langstreckenrennen in Provinzen und
Großstädten. Bei diesem Run auf den Run kann die läuferische Erfahrung
selten Schritt halten. Statt sich allmählich an die große Herausforderung
heranzutasten, suchen Marathon-Novizen in Hunderten von Läufer-Foren im
Internet nervös um Rat. Heiß und kontrovers diskutieren sie die besten
Rezepte fürs Essen und Trinken auf den 42,195 Kilometern.
Menschen sind keine Kamele
Der häufigste dort nachzulesende Rat: Trinken, was rein geht. In den Tagen
vor dem Rennen, währenddessen und nachher, nicht erst bei jedem Durstgefühl,
sondern schon vorher. Solche Parolen bezeichnet der südafrikanische
Sportwissenschaftler Tim Noakes als gefährlichen Unsinn: Menschen seien
keine Kamele und könnten folglich kein Wasser speichern. Die Empfehlung, in
den letzten zwei Stunden vor dem Startschuss "vorzutrinken", um im Rennen
genug körpereigene Wasserreserven zu haben, führe lediglich zu einer
vermehrten Ausscheidung über die Nieren. Im schlimmsten Fall könne eine
Wasservergiftung entstehen, sagt Noakes. Das Durstgefühl sei der beste
Indikator dafür, wie viel Flüssigkeit der Körper gerade brauche.
Überschwemmungsgefahr
Die Gefahr liegt in Salzverlusten, die der Körper nicht zurückbekommt.
Schweiß besteht nur zu knapp 98 Prozent aus Wasser. Vor allem Natrium und
Chlorid, aber auch Kalium, Kalzium und Magnesium gehen verloren -
überwiegend aus der Blutbahn. Weil diese Salze Wasser physikalisch binden,
bedeutet jeder Salzverlust eine geringere Fähigkeit, Flüssigkeit im
Gefäßsystem festzuhalten. Trinken die Läufer nun viel Wasser, gelangt es
über den Darm zunächst in die Blutgefäße, sickert aber kurz darauf schon in
das umliegende, salzreichere Gewebe. Die Folge: Als erstes schwellen die
Hände und Füße an, später dringt Wasser in das Lungengewebe und kann Atemnot
verursachen. Besonders kritisch aber wird die Wasserüberschwemmung für das
Gehirn, denn für Schwellungen ist im Schädel überhaupt kein Platz. Hirnödeme
führen zwangsläufig zu erhöhtem Schädelinnendruck mit Bewusstseinsstörungen,
Schwindel, Erbrechen und Krämpfen.
Irregeleitete Rennärzte
Die Symptome sind ganz ähnlich wie bei einer Austrocknung (Dehydrierung) -
zunächst kann dies auch die behandelnden Ärzte verwirren. Infusionen mit der
üblichen isotonen Salzkonzentration würden den Zustand schnell
verschlechtern. Im schlimmsten Fall führt die medizinische Notfallbehandlung
zum Tod. Der Ärztliche Direktor des Ironman Triathlon in Frankfurt, Dr.
Klaus Poettgen, berichtete im vergangenen August von Fällen mit bedrohlichem
Natriummangel (Hyponatriämie) bei zwei der 1.500 Teilnehmern der über
zehnstündigen Hitzeschlacht. Beide Athleten hatten auf der Marathonstrecke
entlang des Mains viel Wasser und zuckerhaltige Limonade zu sich genommen.
Poettgen’s Rennärzte bestimmten als erstes den Natriumgehalt im Blut der
Sportler. Beide erhielten danach Infusionslösungen mit der zehnfachen
physiologischen Salzkonzentration, um das Wasser im Gefäßsystem zu binden.
Ähnliche Fälle von Hyponatriämie, so berichtet das amerikanische Journal of
Emergency Medicine, wurden schon drei Tage lang auf Intensivstationen
künstlich beatmet.
Etwas Schwund erlaubt
Forschungen haben ergeben, dass der Darm ein Getränk mit geringem Salz- und
Zuckerzusatz während der Belastung schneller aufnimmt als reines Wasser. So
wird gleichzeitig dem hohen Energiebedarf und der sensiblen Salzbalance
Rechnung getragen. Rennarzt Maharam empfiehlt Marathonläufern außerdem, dem
Natriummangel durch eine etwas salzreichere Mahlzeit vor dem Rennen
vorzubeugen und nur dann zu trinken, wenn ihnen ihr Gefühl sagt, dass sie es
brauchen. Mehr als 800 Milliliter pro Stunde sollten es nicht werden, rät
der erfahrene Mediziner. Wenn der Körper dabei in ein kleines
Flüssigkeitsdefizit von einem bis zwei Litern gerät, ist das weniger
leistungshemmend als eine Vergiftung mit Leitungswasser. Etwas Schwund ist
erlaubt und gehört bei einem Extremsport wie dem Marathon allemal dazu.
Aktualisierung 12.05.2003
http://www.netdoktor.de/feature/marathon.htm
Oxidativer Stress durch Hitze
Hoher oxidativer Stress der Zelle mit der Bildung von Sauerstoffradikalen
wird mit der Zellalterung, Mutationen Krebsentstehung und der
Pathophysiologie verschiedener Krankheiten in Verbindung gebracht. Wird der
oxidative Stress für die Zelle bei Belastung in Hitze größer? Kann eine hohe
Umgebungstemperatur und hohe Luftfeuchtigkeit möglicherweise die
Atmungskette entkoppeln oder antioxidative Mechanismen hemmen? Sechs
Probanden absolvierten eine wenig intensive Belastung (50 % VO2max) in
heißer und feuchter Umgebung bis eine Körpertemperatur von 39,5° C erreicht
war sowie ein weiteres Mal über die gleiche Zeit unter Kontrollbedingungen.
Der Sauerstoffverbrauch unterschied sich unter beiden Versuchsbedingungen
nicht signifikant. Endkörpertemperatur und Herzfrequenz waren unter
Hitzebedingungen signifikant höher, ebenso waren die Anstiege von
F2-Isoprostanen (FIP) und Laktat unter diesen Bedingungen höher. Der
Belastungsanstieg der Lipidhydroperoxide (LPO) war hingegen unter beiden
Versuchsbedingungen nicht unterschiedlich. Die Daten zeigen, dass große
Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit zu einem
größeren oxidativen Stress der Zelle führen, der allerdings unabhängig vom
Sauerstoffverbrauch verschiedene Lipidmarker spezifisch aktiviert. Möglich
wäre, dass die Aktivität von FIP im Gegensatz zu LPO ansteigt, weil diese
Substanz vor allem im extravasalen Gewebe gebildet wird, Plasmalipide, die
für die Bildung von LPO verantwortlich sind, sind möglicherweise gegenüber
Sauerstoffradikalen besser geschützt. Dabei könnte auch das im Plasma
vorkommende
Vitamin C eine Rolle spielen, was durch Hitze zusätzlich aktiv sein könnte,
oder auch Harnsäure.
(McAnulty SR et al.: Hyperthermia increases exercise-induced oxidative
stress. Int J Sports Med 26 (2005) 188-1929)
Jahrgang 56, Nr. 4 (2005) DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN
Precooling – auch für die arbeitende Muskulatur?
Bei geringen Muskeltemperaturen ist die Maximalleistung des Muskels
herabgesetzt. Allerdings kann bei längerer, schwerer Arbeit in der Hitze ein
Anstieg der Körperkerntemperatur ein leistungsbegrenzender Faktor sein.
Vorheriges Kühlen der Körpertemperatur, sog. „Precooling“ wird als Methode
genannt, das Auftreten einer derartigen Hyperthermie herauszuzögern. Dabei
ist nicht ganz klar, ob der ganze Körper herabgekühlt werden muss oder ob es
nicht noch erfolgversprechender ist, wenn die arbeitende Muskulatur aus
dieser Abkühlung ausgeschlossen wird, um die lokalen Muskelleistung nicht zu
beeinträchtigen. Vor diesem Hintergrund absolvierten 8 gut trainierte
Personen eine 40 min Fahrradbelastung mit 60 % der maximalen
Sauerstoffaufnahme bei 30 °C und 70 % Luftfeuchtigkeit unter 4 verschiedenen
Bedingungen. Einmal völlig ohne Beeinflussung, einmal nach „Precooling“ des
gesamten Körpers, einmal nach ausschließlichem „Precooling“ des Oberkörpers
und einmal nur der unteren Körperhälfte. Es zeigte sich nach allen Formen
des Precooling eine deutlich geringere Hitzebelastung des Körpers,
Körperkerntemperatur, Herzfrequenz und Schweißrate waren reduziert. Der
Wirkungsgrad der Belastung war bei allen Kühlformen gleich, unabhängig davon
ob der ganze Körper gekühlt wurde oder die arbeitende Muskulatur
ausgeschlossen wurde unter der Voraussetzung, dass die gleichen
Temperaturdaten vorliegen.
U.K. (Daanen HA, Es van EM, Graaf de JL: Heat strain and gross efficiency
during endurance exercise after lower, upper, or whole body precooling in
the heat. Int J Sports Med 27 (2006) 379-388)
DEUTSCHE
ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN Jahrgang 58, Nr. 3 (2007)
Gute Tips:
http://www.gssiweb-de.com/reflib/refs/25/SSEroundtable_43_deutsch.cfm?pf=1&CFID=4414285&CFTOKEN=34511404