ELEKTROLYTHAUSHALT BEI EXTREMBELASTUNG
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Elektrolyt und Wasserhaushalt während eines Ultratriathlon Hyponatriämie und hormonelle Regulation Teil 2: Konsequenzen für die
Wettkampfernährung Zapf,
Schmidt, Lotz Die Natrium- und Flüssigkeitsbilanz bei Langzeitbelastungen
Auf die Bedeutung von Flüssigkeitszufuhr und Getränkeauswahl im Sport wies der Diplom-Oekotrophologe Uwe Schröder vom Institut für Sporternährung in Bad Nauheim hin. Die zu geringe Flüssigkeitsaufnahme sei der häufigste Ernährungsfehler in der Bevölkerung. Außerdem stünden in der Menge der aufgenommenen Getränke in Deutschland noch immer der Bohnenkaffee (160 Liter pro Jahr) deutlich vor den Wässern (102 l). FLÜSSIGKEITSVERLUST UND DIE FOLGEN > 0,5 % Durst 2 % Verminderung der Ausdauerleistungsfähigkeit 4 % Verminderung der Kraft 5 % Schwerwiegende physiologische Veränderungen (Anstieg der Herzfrequenz, Müdigkeit, Apathie, Erbrechen, Muskelkrämpfe) 12 % Unfähigkeit zu schlucken 15-20 % Tod Triathlet bewußtlos
zusammengebrochen Triathlon und Elektrolytgetränke: Energieverbrauch während eines Triathlon (Ironman): 8000 Kalorien pro Etappe - bei der Tour
nicht selten Gute Tips: http://www.gssiweb-de.com/reflib/refs/25/SSEroundtable_43_deutsch.cfm?pf=1&CFID=4414285&CFTOKEN=34511404 |
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Marathonlauf: Hyponatriämie durch
Sportgetränke
BOSTON. „Trinken, bevor der Durst kommt“ ist das Motto vieler
Marathonläufer, das die Hersteller von Sportgetränken durch Werbung fördern.
Doch die exzessive Zufuhr von hypotonen Getränken kann zu einer Hyponatriämie
führen, warnen Mediziner im New England Journal of Medicine (NEJM 2005; 352:
1550-1556).
Unter vielen Marathonläufern und anderen Extremsportlern ist die Angst vor einer
Dehydrierung sehr verbreitet. Auch von Sportmedizinern werden die Risiken
hervorgehoben, zu denen es infolge des hohen Wasserverlustes beim Schwitzen
kommen soll. Andere Mediziner schätzen die Risiken als gering ein und sprechen
eher vom Schüren einer Angst, die nur den Getränkeherstellern nutze.
Viele Marathonläufer bedienen sich reichlich an den Getränkeständen, die am Rand
der Marathonstrecken aufgebaut sind. Nicht wenige unterbrechen den Lauf um
Flüssigkeit nachzutanken. Nicht weniger Läufer machen die Erfahrung, dass sie
nach dem Lauf mehr wiegen als vorher.
Nach Ansicht von Christopher Almond von der Harvard Universität in Boston
schadet die übermäßige Zufuhr von Flüssigkeit eher. Unter Medizinern kursieren
seit einiger Zeit Fallberichte wie der einer 28-jährigen Teilnehmerin des
Boston-Marathons, die nach fünf Stunden Lauf an einem Versorgungspunkt 16 Becher
geleert haben soll. Minuten später brach sie tödlich zusammen. Die
Blutuntersuchung ergab einen Natriumwert von 113 Mikromol/Liter. Bereits ab
einem Wert unter 120 Mikromol/Liter kann es zu einer tödlichen Hirnschwellung
kommen. Die Pathogenese: Wegen des zu niedrigen osmotischen Drucks im Blut
„saugen“ die Hirnzellen vermehrt Wasser aus dem Blut. Da das Gehirn sich unter
der Schädelkalotte aber nicht ausdehnen kann, steigt der Hirndruck. Dies führt
zunächst zur Benommenheit, später zur Bewusstlosigkeit. Auch epileptische
Anfälle sind möglich. Die Mediziner können dies leicht mit einem „Hitzeschlag“
durch Dehydrierung verwechseln und in der Notfallaufnahme könnten dann
fatalerweise intravenös noch weitere Flüssigkeit substituiert werden.
Um die Prävalenz der Hyponatriämie zu untersuchen, haben Almond und Mitarbeiter
488 Teilnehmern des Boston Marathons 2002 unmittelbar nach dem Rennen Blutproben
entnommen. Ihr Befund: Jeder siebte (16 Prozent) hatte eine Hyponatriämie. Bei
drei Sportlern (0,6 Prozent) wurden Natriumkonzentrationen von 119, 118 und 114
Mikromol/Liter gemessen, also lebensgefährliche Werte.
Bei den Frauen war die Prävalenz der Hyponatriämie mit 22 Prozent deutlich höher
als bei Männern (acht Prozent), was Almond vor allem auf die längere Laufzeit
und das geringere Körpergewicht von Frauen zurückführt. Laufzeit und niedriger
Bodymass-Index waren wichtige Risikofaktoren wie auch die Zufuhr von mehr als
drei Litern Flüssigkeit während des Rennens. Dabei spielt es nach Ansicht
Almonds keine Rolle, ob die Läufer Wasser oder Sportgetränke zu sich nahmen.
Auch den Ärzten des St.Thomas Hospital in London ist eine Zunahme von
Notaufnahmen nach dem Marathons des Jahres 2003 aufgefallen (NEJM 2005; 352:
1613-4). In diesem Jahr mussten in der Klinik, die sich in der Nähe der
Ziellinie befindet, 17 Läufer wegen Bewusstseinsstörungen (Glasgow Coma Scale
11-13) aufgenommen werden. Bei elf lag eine Hyponatriämie vor (bei den anderen
wurde eine Hyperthermie diagnostiziert). Auffallend war, dass viele Personen
nicht sofort nach dem Rennen eingeliefert wurden, sondern erst Stunden später.
Die Mediziner vermuten, dass die Läufer nach dem Rennen versucht hatten, die
Symptome der Hyponatriämie durch Zufuhr von Getränken selbst zu behandeln. Die
Läufer selbst konnten sich nicht mehr daran erinnern. Sie wussten aber auch
nicht mehr, ob und wie sie das Rennen beendet hatten.
Die Mediziner raten den Läufern dazu, nicht zu viel während des Laufes zu
trinken. Wer unsicher sei, sollte vor und nach dem Rennen auf die Waage steigen.
Auch Gewichtskontrollen während des Laufes wären wohl sinnvoll. Professionelle
Leichtathleten nehmen während eines Marathonlaufs übrigens nur wenig Flüssigkeit
zu sich, da dies die Leistung mindert. Aerztezeitung 15. April 2005
Volume 352:1550-1556 April 14, 2005
Number 15
Hyponatremia among Runners in the Boston Marathon
Christopher S.D. Almond, M.D., M.P.H., Andrew Y. Shin, M.D., Elizabeth B.
Fortescue, M.D., Rebekah C. Mannix, M.D., David Wypij, Ph.D., Bryce A.
Binstadt, M.D., Ph.D., Christine N. Duncan, M.D., David P. Olson, M.D., Ph.D.,
Ann E. Salerno, M.D., Jane W. Newburger, M.D., M.P.H., and David S. Greenes,
M.D.
ABSTRACT
Background:
Hyponatremia has emerged as an important cause of race-related death and
life-threatening illness among marathon runners. We studied a cohort of
marathon runners to estimate the incidence of hyponatremia and to identify
the principal risk factors.
Methods:
Participants in the 2002 Boston Marathon were recruited one or two days
before the race. Subjects completed a survey describing demographic
information and training history. After the race, runners provided a blood
sample and completed a questionnaire detailing their fluid consumption and
urine output during the race. Prerace and postrace weights were recorded.
Multivariate regression analyses were performed to identify risk factors
associated with hyponatremia.
Results:
Of 766 runners enrolled, 488 runners (64 percent) provided a usable blood
sample at the finish line. Thirteen percent had hyponatremia (a serum sodium
concentration of 135 mmol per liter or less); 0.6 percent had critical
hyponatremia (120 mmol per liter or less). On univariate analyses,
hyponatremia was associated with substantial weight gain, consumption of
more than 3 liters of fluids during the race, consumption of fluids every
mile, a racing time of >4:00 hours, female sex, and low body-mass index. On
multivariate analysis, hyponatremia was associated with weight gain (odds
ratio, 4.2; 95 percent confidence interval, 2.2 to 8.2), a racing time of
>4:00 hours (odds ratio for the comparison with a time of <3:30 hours, 7.4;
95 percent confidence interval, 2.9 to 23.1), and body-mass-index extremes.
Conclusions:
Hyponatremia occurs in a substantial fraction of nonelite marathon runners
and can be severe. Considerable weight gain while running, a long racing
time, and body-mass-index extremes were associated with hyponatremia,
whereas female sex, composition of fluids ingested, and use of nonsteroidal
antiinflammatory drugs were not.
Source Information
From the Departments of Medicine (C.S.D.A., A.Y.S., E.B.F., R.C.M., B.A.B.,
C.N.D., D.P.O., A.E.S., D.S.G.) and Cardiology (D.W., J.W.N.) and the
Clinical Research Program (D.W.), Children's Hospital; the Department of
Pediatrics, Harvard Medical School (C.S.D.A., A.Y.S., E.B.F., R.C.M., D.W.,
B.A.B., C.N.D., D.P.O., A.E.S., J.W.N., D.S.G.); and the Department of
Biostatistics, Harvard School of Public Health (D.W.) — all in Boston.
Address reprint requests to Dr. Almond at the Department of Cardiology,
Children's Hospital, Bader 2, 300 Longwood Ave., Boston, MA 02115, or at
christopher.almond@childrens.harvard.edu
Lebensgefahr für Läufer
Bei drei der 62 Probanden war die Konzentration sogar derart gering,
dass sie in Lebensgefahr waren. „Das stärkste Indiz für diese Hyponatriämie
war eine beachtliche Gewichtzunahme, weil die Läufer übertrieben viel
getrunken hatten – teilweise über drei Liter“, so Almond.
Wenn man viel trinkt, gelangt Wasser in die Blutgefäße. Dadurch wird das
Blut verdünnt, die Natriumkonzentration sinkt. Werden die Adern zu prall
gefüllt, strömt Wasser ins umliegende Gewebe und kann sich auch im Gehirn
einlagern. Schwindel, Schwächeanfälle und Muskelkrämpfe sind die Folgen –
die gleichen Symptome wie sie Sportler zeigen, wenn sie zu wenig getrunken
haben.
Von den 488 Läufern, die nach dem Rennen für die Untersuchung zur
Verfügung standen, hatten immerhin 13 Prozent eine Hyponatriämie, also eine
Serum-Natrium-Konzentration von weniger als 135 mmol/L. 0,6 Prozent hatten
einen Wert von weniger als 120 mmol/L, was bereits als kritisch gelten muss.
Genauere Analysen zeigten, dass von einer Hyponatriämie vor allem Personen
mit geringem Body Mass Index betroffen waren. Auch jene, die länger als vier
Stunden für die gesamte Strecke benötigten, hatten ein erhöhtes
Hyponatriämie-Risiko. Daraus kann man schließen, dass die Gefahr einer
Hyponatriämie vor allem bei Hobbyläufern besteht, während Spitzensportler
davon eher selten betroffen sind.
MEDICA.de; Quelle: New England
Journal of Medicine 2005, Vol. 352, S. 1550-1556
Einen Todesfall wegen Hyponatriämie gab es beim Boston Marathon 2002. Eine 28-Jährige erreichte erst nach fünf Stunden die Ziellinie völlig erschöpft und trank sofort große Mengen Wassers. Minuten später brach sie zusammen – hirntot. Der Sodiumgehalt ihres Blutes wurde mit 113 Mikromoles pro Liter als gefährlich gering festgestellt. Beim London Marathon 2003 wurden 14 Läufer mit Hyponatriämie diagnostiziert, alle mussten sich einer Krankenhausbehandlung unterziehen.
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