SALZ UND SCHWEISS
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Schweissverluste
Auf die Bedeutung von Flüssigkeitszufuhr und Getränkeauswahl im Sport wies der Diplom-Oekotrophologe Uwe Schröder vom Institut für Sporternährung in Bad Nauheim hin. Die zu geringe Flüssigkeitsaufnahme sei der häufigste Ernährungsfehler in der Bevölkerung. Außerdem stünden in der Menge der aufgenommenen Getränke in Deutschland noch immer der Bohnenkaffee (160 Liter pro Jahr) deutlich vor den Wässern (102 l).
FLÜSSIGKEITSVERLUST UND DIE FOLGEN
> 0,5 % Durst
2 % Verminderung der Ausdauerleistungsfähigkeit
4 % Verminderung der Kraft
5 % Schwerwiegende physiologische Veränderungen
(Anstieg der Herzfrequenz, Müdigkeit, Apathie, Erbrechen, Muskelkrämpfe)
12 % Unfähigkeit zu schlucken
15-20 % Tod
Chlorid
Für Chlorid gilt im Grunde dasselbe wie für Natrium. Es ist
außerdem Bestandteil der Magensäure.
Weitere wichtige Aufgaben sind: Aufrecherhaltung des osmosichen
Drucks
Ein Mangel führt zu:gestörter Wasserhaushalt und eingeschränkter
Magenfunktion
Auf den Ziellinien von City-Marathons behandeln Rennärzte
immer mehr Sportler, die durch fleißiges Wassertrinken die ausgeklügelte
Salzbalance im Körper lebensgefährlich durcheinander gebracht haben
Tod im Ziel: Lebensgefährliche Wasserüberschwemmung im Körper
Marathonläufer, die auf der Rennstrecke viel Wasser in sich hineinschütten,
können ihr Leben gefährden. Das fanden Ärzte der University of California in San
Francisco heraus, als sie schwer erklärbare Todesfälle bei Läufern untersuchten.
Die Sportler hatten Wasser und Salze ausgeschwitzt, den Flüssigkeitsmangel aber
offenbar nur mit Wasser ausgeglichen. Durch den Salzmangel trat Flüssigkeit aus
den Blutgefäßen in das Gewebe von Lunge und Hirn über, Wassereinlagerungen
(Ödeme) führten schließlich zum Tod. Früher sei die Mehrheit der Marathon-Läufer
erfahren gewesen, berichtet Dr. Lewis Maharam, medizinischer Leiter beim New
York City Marathon. Heute hätten die Laufneulinge viel zu wenig Praxis,
kritisiert er.
Gefährliche Netz-Parolen
Auch in Deutschland erlebt die Marathonbewegung einen Boom: 81499 Teilnehmer
verzeichneten die zehn größten Marathons im vergangenen Jahr - von Berlin über
den Rennsteig bis nach Duisburg. Der Veranstaltungskalender von Mai bis Ende
Juni listet rund dreißig solcher Langstreckenrennen in Provinzen und
Großstädten. Bei diesem Run auf den Run kann die läuferische Erfahrung selten
Schritt halten. Statt sich allmählich an die große Herausforderung
heranzutasten, suchen Marathon-Novizen in Hunderten von Läufer-Foren im Internet
nervös um Rat. Heiß und kontrovers diskutieren sie die besten Rezepte fürs Essen
und Trinken auf den 42,195 Kilometern.
Menschen sind keine Kamele
Der häufigste dort nachzulesende Rat: Trinken, was rein geht. In den Tagen vor
dem Rennen, währenddessen und nachher, nicht erst bei jedem Durstgefühl, sondern
schon vorher. Solche Parolen bezeichnet der südafrikanische Sportwissenschaftler
Tim Noakes als gefährlichen Unsinn: Menschen seien keine Kamele und könnten
folglich kein Wasser speichern. Die Empfehlung, in den letzten zwei Stunden vor
dem Startschuss "vorzutrinken", um im Rennen genug körpereigene Wasserreserven
zu haben, führe lediglich zu einer vermehrten Ausscheidung über die Nieren. Im
schlimmsten Fall könne eine Wasservergiftung entstehen, sagt Noakes. Das
Durstgefühl sei der beste Indikator dafür, wie viel Flüssigkeit der Körper
gerade brauche.
Überschwemmungsgefahr
Die Gefahr liegt in Salzverlusten, die der Körper nicht zurückbekommt. Schweiß
besteht nur zu knapp 98 Prozent aus Wasser. Vor allem Natrium und Chlorid, aber
auch Kalium, Kalzium und Magnesium gehen verloren - überwiegend aus der
Blutbahn. Weil diese Salze Wasser physikalisch binden, bedeutet jeder
Salzverlust eine geringere Fähigkeit, Flüssigkeit im Gefäßsystem festzuhalten.
Trinken die Läufer nun viel Wasser, gelangt es über den Darm zunächst in die
Blutgefäße, sickert aber kurz darauf schon in das umliegende, salzreichere
Gewebe. Die Folge: Als erstes schwellen die Hände und Füße an, später dringt
Wasser in das Lungengewebe und kann Atemnot verursachen. Besonders kritisch aber
wird die Wasserüberschwemmung für das Gehirn, denn für Schwellungen ist im
Schädel überhaupt kein Platz. Hirnödeme führen zwangsläufig zu erhöhtem
Schädelinnendruck mit Bewusstseinsstörungen, Schwindel, Erbrechen und Krämpfen.
Irregeleitete Rennärzte
Die Symptome sind ganz ähnlich wie bei einer Austrocknung (Dehydrierung) -
zunächst kann dies auch die behandelnden Ärzte verwirren. Infusionen mit der
üblichen isotonen Salzkonzentration würden den Zustand schnell verschlechtern.
Im schlimmsten Fall führt die medizinische Notfallbehandlung zum Tod. Der
Ärztliche Direktor des Ironman Triathlon in Frankfurt, Dr. Klaus Poettgen,
berichtete im vergangenen August von Fällen mit bedrohlichem Natriummangel (Hyponatriämie)
bei zwei der 1.500 Teilnehmern der über zehnstündigen Hitzeschlacht. Beide
Athleten hatten auf der Marathonstrecke entlang des Mains viel Wasser und
zuckerhaltige Limonade zu sich genommen. Poettgen’s Rennärzte bestimmten als
erstes den Natriumgehalt im Blut der Sportler. Beide erhielten danach
Infusionslösungen mit der zehnfachen physiologischen Salzkonzentration, um das
Wasser im Gefäßsystem zu binden. Ähnliche Fälle von Hyponatriämie, so berichtet
das amerikanische Journal of Emergency Medicine, wurden schon drei Tage lang auf
Intensivstationen künstlich beatmet.
Etwas Schwund erlaubt
Forschungen haben ergeben, dass der Darm ein Getränk mit geringem Salz- und
Zuckerzusatz während der Belastung schneller aufnimmt als reines Wasser. So wird
gleichzeitig dem hohen Energiebedarf und der sensiblen Salzbalance Rechnung
getragen. Rennarzt Maharam empfiehlt Marathonläufern außerdem, dem Natriummangel
durch eine etwas salzreichere Mahlzeit vor dem Rennen vorzubeugen und nur dann
zu trinken, wenn ihnen ihr Gefühl sagt, dass sie es brauchen. Mehr als 800
Milliliter pro Stunde sollten es nicht werden, rät der erfahrene Mediziner. Wenn
der Körper dabei in ein kleines Flüssigkeitsdefizit von einem bis zwei Litern
gerät, ist das weniger leistungshemmend als eine Vergiftung mit Leitungswasser.
Etwas Schwund ist erlaubt und gehört bei einem Extremsport wie dem Marathon
allemal dazu.
Aktualisierung 12.05.2003
http://www.netdoktor.de/feature/marathon.htm
Viel Salz erhöht das Krebsrisiko
LONDON (dpa). Sehr salzhaltige Ernährung kann das Magenkrebsrisiko verdoppeln.
Davor hat das britische Zentrum für Krebsforschung mit Verweis auf eine
japanische Studie gewarnt. Gefährdet sind demnach Menschen, die sehr viel Salz,
zwölf bis 15 Gramm am Tag, aufnehmen. Im Mittel essen Erwachsene in Deutschland
knapp acht Gramm Salz.
Ein Team um Shoichiro Tsugane vom Nationalen Krebsforschungsinstitut in Kashiwa
bei Tokio hat die Ernährungsgewohnheiten von 40 000 Erwachsenen in Japan elf
Jahre lang beobachtet. Demnach erkranken in Japan durchschnittlich nur jeder
tausendste Mann und jede zweitausendste Frau an Magenkrebs.
Bei sehr hohem Salzkonsum erkranken jedoch einer von 500 Männern und eine von
1300 Frauen - das Krebsrisiko ist also verdoppelt.
Die Studie ist in der
aktuellen Ausgabe des "British Journal of Cancer" veröffentlicht.
Ärzte Zeitung, 09.01.2004
Salz fördert einer britischen Studie zufolge die geistige Entwicklung von Frühgeborenen.
Schon kleine Mengen Salz, die während der ersten zwei Wochen nach der Geburt zusätzlich verabreicht würden, seien entscheidend für die spätere Ausbildung von Sprechvermögen, Gedächtnis, Intelligenz und Koordination, hieß es in einer am Donnerstag vom Britischen Gesundheitsverband (BMA) veröffentlichten Untersuchung. Frühgeborene Babys benötigten mehr Natrium als Kinder, die um ihren errechneten Geburtstermin zur Welt kommen, erklärten die Forscher von drei Londoner Kliniken in der Fachzeitschrift "Archives of Disease in Childhood". Die Ärzte hatten 37 frühgeborene Kinder seit ihrer Geburt bis zum Alter zwischen zehn und 13 Jahren beobachtet. 16 Kinder hatten nach ihrer Geburt zusätzlich Salz bekommen. Sie erzielten als Teenager bei Sprach-, Intelligenz- und Koordinierungstests bis zu zehn Prozent bessere Ergebnisse als die 21 anderen Kinder, die normal gefüttert worden waren. Nach Angaben der Wissenschaftler genügt für diesen Effekt bereits eine kleine Dosis Salz von etwa einem Zwanzigstel eines Teelöffels. London, 6. März (AFP)Buchtip zum Thema!
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